Netzwerkanlass Nachhaltige Digitalisierung

Das Digitalisierungsdilemma: Klimakiller oder Wegbereiter für Net Zero?

Der jüngste Netzwerkanlass der hftm widmete sich einer brisanten Frage: Kann Digitalisierung das Klima retten, oder belastet sie es mehr als sie hilft? Unter dem Titel „Das Digitalisierungsdilemma: Klimakiller oder Wegbereiter für Net Zero?“ brachte Prof. Dr. Jan Bieser, Experte für Digitalisierung und Nachhaltigkeit von der Berner Fachhochschule, das Publikum zum Nachdenken.


Digitalisierung: Chance oder Problem für das Klima?

Prof. Bieser stellte klar, dass die digitale Welt erhebliche Umweltkosten hat. Von Smartphones bis hin zu Rechenzentren – überall steckt eine Menge CO₂. Wussten Sie, dass 80% der Emissionen eines Geräts bereits bei der Produktion entstehen und dass der IT-Sektor mittlerweile 1,5 - 4% der globalen Emissionen verursacht? Damit ist er fast so belastend wie die Flugzeugindustrie. Doch Digitalisierung hat auch Potenzial: Automatisierte Systeme und KI-gestützte Analysen können den Energieverbrauch in Bereichen wie Landwirtschaft und Industrie senken – wenn man sie clever einsetzt.


Mehr als nur Optimierung

Im Mittelpunkt stand die Idee, die Digitalisierung sinnvoll zu gestalten, um nicht nur den eigenen Fussabdruck zu verkleinern, sondern in anderen Bereichen aktiv zur Dekarbonisierung beizutragen. Mit durchdachten Projekten könnten Unternehmen 7–10 % Energie sparen. Aber das erfordert ein echtes Umdenken. Prof. Bieser plädierte dafür, den gesamten digitalen Prozess zu hinterfragen – ist ein neues Gadget wirklich notwendig, oder wäre eine längere Nutzung ökologisch sinnvoller?


Lebensdauer, Sättigungseffekte und das Problem der „Dark Patterns“

Je länger ein Gerät im Einsatz bleibt, desto geringer der Ressourcenverbrauch. Doch selbst in der Entwicklung lauern Fallstricke: Manipulative Designs wie „Dark Patterns“ und „Addictive Design“ halten uns davon ab, bewusster mit digitalen Tools umzugehen. Eine Suchanfrage bei Sprachmodellen kann z. B. bis zu zehnmal mehr Energie kosten als eine einfache Textsuche.

Am Ende regte der Vortrag die Teilnehmenden zu spannenden Gesprächen an. Im Apéro wurde klar: Digitalisierung ist kein Allheilmittel, sondern ein Werkzeug, das klug genutzt werden muss. Der Abend war ein voller Erfolg und bot wertvolle Impulse für eine nachhaltige digitale Zukunft.